Musical-AG begeistert mit „Die chinesische Nachtigall“ im Stadttheater

Die Musical-AG des Lichtenberg-Gymnasiums hat mit ihrer Aufführung von „Die chinesische Nachtigall“ nach dem Märchen von Hans-Christian Andersen einen Abend voller Witz, Gefühl und beeindruckender Bühnenpräsenz geliefert. Die Neufassung von Andreas Schmittberger bietet ein schwungvolles Musical, das die klassische Erzählung neu deutet und in Zeiten von Künstlicher Intelligenz besondere Aktualität gewinnt.
Die Handlung dreht sich um den Kaiser von China, brillant und nuanciert gespielt von Thelka Seeba. Als absolutistischer Herrscher mit Sinn für Kunst ist er von dem natürlichen Gesang der Nachtigall in seinem Garten tief betört und möchte – typisch für seine Machthaltung – auch diesen Besitzanspruch durchsetzen. Die Szene, in der ihm aus dem „fortschrittlichen“ Japan eine künstliche Nachtigall geschenkt wird, wird durch das hochnäsige Kaiserpaar aus Japan (Janne Siefer und Kate Werth) herrlich pointiert. Die künstliche Nachtigall besticht durch künstlich generierte Melodien und reichlich Special-Effects; sie verdrängt bald das einstige Lieblingsvögelchen.
Der echte Vogel, verkörpert mit reiner Hingabe von der zwölfjährigen Keeshian Samson, singt aus Liebe - und mit dem Fortbleiben diesem Gesang entzieht sich das Glück des Kaisers. Die Verwandlung des Kaisers, seine Krankheit und das Sterbebett wurden eindringlich dargestellt: In jener Szene fleht er den Tod (ausdrucksstark gespielt von Leni Langanke) um Aufschub an. Rettung kommt schließlich durch die Nachtigall selbst: Ihr Gesang weckt selbst im Tod Sehnsucht, sodass dieser sich zurückziehen muss. Die dramatische Zuspitzung verdeutlicht die zentrale Aussage des Abends: eine zeitlose Auseinandersetzung über Kunst und Künstlichkeit, über Zwang und Freiheit.

Spielfreude, Gesang und komisches Timing

Das Ensemble (11–14 Jahre) zog das Publikum im gut gefüllten Stadttheater von der ersten Szene an mit. Besonders herausragend war die volle, warme Stimme der jungen Keeshian Samson als Nachtigall - ein Moment, der dem Kaiser wie auch vielen Zuschauern Tränen in die Augen trieb.
Komik und Charakterzeichnung kamen ebenfalls nicht zu kurz: Die dienstbeflissenen Haushofmeisterinnen (Greta Sylvester und Alina Guggenheimer) lieferten pointierte Nebenrollen, während Tamara Zschau die Managerin mit Profitdenken facettenreich gestaltete. Emma Schreiter sorgte als Koch „Ther-Mo-Mix“ mit feinjustierter Komik für beifallswürdige Lacher. Diskussionen und kommentierende Dialoge der Gärtner Cheng und Chang (Ida Mordhorst und Lucia Sanchez) brachten zusätzliche Tiefe — zumal alle Darstellenden enorme Textmengen sicher meisterten.
Auch choreografisch gab es viel zu sehen: Schwungvolle Tanzszenen, überzeugende Gesangsnummern und eine insgesamt lebendige Inszenierung mit viel Witz und Charme.

Live-Musik, Bühne und Kostüme

Musikalisch engagierten sich die Schülerinnen nicht nur als Sängerinnen und Schauspielerinnen: Violine, Cello und Saxofon klangen live von der Bühne, begleitet und geleitet durch Svetlana Tempus am Klavier.
Das professionelle Setting des Stadttheaters kam der Leistung der jungen Ensemblemitglieder sehr zugute: Beleuchtung, Effekte und Bühnentechnik setzten die Szenen wirkungsvoll in Szene. Besonders erwähnenswert sind die eindrucksvollen, größtenteils original asiatisch inspirierten Kostüme und Frisuren, die Karolin Hofmann konzipiert und umgesetzt hat — sie trugen maßgeblich zum visuellen Erfolg der Aufführung bei.

Dank und pädagogischer Hintergrund

Einstudiert wurde das Stück von den Lehrerinnen Sabine Rönnfeld und Anke Seifert; Musiktheater ist seit langem ein Schwerpunkt des Lichtenberg-Gymnasiums. Am Schluss dankte Rönnfeld ausdrücklich den Verantwortlichen der Stadt Cuxhaven, die die Aufführung im Stadttheater ermöglicht hatten — ein Beitrag, der der jungen Truppe die angemessene Bühne verschaffte.

Fazit

Die Musical-AG des Lichtenberg-Gymnasiums hat mit „Die chinesische Nachtigall“ ein berührendes und zugleich witziges Stück gezeigt, das aktuelle Fragen nach Echtheit, Technik und menschlicher Sehnsucht in eine wirkungsvolle Bühnenhandlung übersetzt. Die Kombination aus starker sängerischer Leistung, sicherem Schauspiel, Live-Musik, Tanzszenen und ausgesuchtem Bühnenbild machte den Abend zu einem großen Erfolg — ein Stolz für Schule und Publikum gleichermaßen.

  • 10.05.2026

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