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27.01 | 10:40

Unser Schulprogramm

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Geschichte

Das Lichtenberg-Gymnasium – Schule in bewegter Zeit

Es war im wahrsten Sinne ein bewegtes und bewegendes Jahr, das Jahr 1817: Während in Südamerika der Befreiungskampf gegen die spanische Kolonialherrschaft tobt, in Nordamerika gleich mehrere Indianerstämme ihr weniges verbliebenes Land am Ohio an die USA verlieren, gedenkt man in Deutschland allerorten dem Beginn der Reformation 300 Jahre zuvor und hegt, vor allem in akademischen Kreisen, revolutionäre Gedanken. Auf dem Wartburgfest weht zum ersten Mal eine schwarz-rot-goldene Fahne, Vorläufer unserer heutigen Bundesflagge. Vormärz, Menschen im Aufbruch, Beginn großer Veränderungen. Im Norden des Reichs, umgeben von Elbe und Nordsee, hat Cuxhaven, wenn auch wesentlich bescheidener, Anteil an diesen Veränderungen. Der Reiseverkehr erlebt eine erste Blütephase, angetrieben durch die Auswanderer nach Amerika, die vom Steubenhöft aus aufbrechen. Auch das Badeleben treibt – dank des Anstoßes durch Georg Christoph Lichtenberg – erste zarte Blüten in Cuxhaven. Durch die Hochseefischerei erwächst ein nie gekanntes Interesse an Hafenfragen. In dieser Gemengelage von Umbrüchen und Veränderungen entsteht ein neues Gemeinwesen. Es markiert den Beginn der Entwicklung vom Amt Ritzebüttel hin zur modernen Stadt Cuxhaven. Es ist kein Zufall, dass der damalige hamburgische Amtmann Amandus Augustus Abendroth in diesem Jahr die „Töchterschule Ritzebüttel“ begründet, den ersten Vorläufer des LiG – Schule in bewegter Zeit.

Ein weiterer Vorläufer ist die private „Töchterschule Cuxhaven“, die Cuxhavener Bürger 1849 gründen – zwar sind Ritzebüttel, Groden mit der Abschnede und Döse anfangs bevölkerungsreicher als Cuxhaven, aber Cuxhaven selbst erlebt im 19. Jh. prozentual den größten Bevölkerungszuwachs: „Die Flecken Ritzebüttel und Cuxhaven […] würden beyde mit ihren mehr als zweytausend Einwohnern schon eine kleine Stadt ausmachen können.“1

Nach einer Phase der Eingliederung beider „Höherer Töchterschulen“ in eine Gemeindeschule, teilweiser Reprivatisierung und Neu- bzw. Wiedervereinigung entsteht 1909 die „Höhere Mädchenschule Cuxhaven“. Zwei Jahre zuvor hatte Cuxhaven das Stadtrecht verliehen bekommen und veränderte von nun an deutlich sein Gesicht. Schul- und Kirchenwesen blühen auf, sichtbar unter anderem an den Neubauten der Döser Schule 1910 sowie der Grodener Schule und der Garnisonkirche (heute Petrikirche), beide 1911. Die „Höhere Mädchenschule Cuxhaven“ – Schule in bewegter Zeit.

Zuständigkeiten und Namen ändern sich in der Folgezeit noch mehrfach: vom „Lyzeum in Cuxhaven“ über „Staatliche Mädchenrealschule in Cuxhaven“ unter Hamburgischer Regie zur „Mädchen-Realschule und Realgymnasium für Mädchen“, das 1930 einen Neubau bezieht, den wir heute als Altbau oder Hauptgebäude des LiG kennen. Auch danach ändert die Schule noch mehrfach ihren Namen und auch ihre Zugehörigkeit – von Hamburg über Preußen kommt sie zum Land Niedersachsen und erhält 1956 wie alle Schulen, die zur Reifeprüfung führen, den Namen „Gymnasium“ – für die Schule eine bewegende Zeit.

Auch mit der Umbenennung in „Lichtenberg-Gymnasium“ 1986 hören die Neuerungen in der Schule und dem Gemeinwesen, in das sie eingebettet ist, nicht auf. Die jüngsten sind der Beginn des bilingualen Unterrichts, die Einführung von Netbookklassen, das Ende der „Kreidezeit“ durch Umrüstung auf interaktive Tafeln und die Umgestaltung zur „Offenen Ganztagsschule“. So bleibt das Lichtenberg-Gymnasium, was es von Anfang an war: Eine Schule, die sich neuen Herausforderungen stellt und sie aktiv mitgestaltet – Schule in bewegter Zeit.

1 Amandus Augustus Abendroth (Hg.), Ritzebüttel und das Seebad zu Cuxhaven, Hamburg 1818, S. 17.